„Künstliche Intelligenz ist für Kinder und Jugendliche heute ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags – sei es bei Hausaufgaben, bei der Informationssuche oder wenn sie jemanden zum Reden brauchen. Beziehungen zwischen jungen Menschen und KI-Chatbots eröffnen Chancen, bergen aber auch Risiken, die wir im Kinder- und Jugendmedienschutz genau im Blick behalten müssen“,
so Sebastian Gutknecht, Direktor der Bundeszentrale für Kinder und Jugendmedienschutz (BzKJ).
Mit der Ausgabe der Fachzeitschrift BzKJAKTUELL 1/2026 gibt die Bundeszentrale einen Überblick über die Beziehungen von KI-Chatbots zu Kindern und Jugendlichen, beleuchtet Chancen, Risiken und Schutzbedarfe und lässt Fachkräfte sowie Expertinnen und Experten zu Wort kommen.
Lernbuddy, Kummerkasten, Herzensmensch. Parasoziale Beziehungen und Wirkmechanismen von KI-Chatbots im Leben Jugendlicher
Im ersten Schwerpunktbeitrag geben Dr. Johanna L. Degen und Eva Kubitza Einblicke in die Nutzungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen – von Chatbots über Therapie-Bots bis hin zu sogenannten Companions. Sie zeigen auf, dass KI-Systeme großes Potenzial haben, zugleich aber programmatische Risiken bergen – insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen wie der Adoleszenz. Die Forscherinnen zeigen, dass Jugendliche KI-Systemen nicht nur Informationen entnehmen, sondern auch emotionale Bindungen zu ihnen entwickeln. Diese Art der parasozialen Beziehung kann entlastend wirken, birgt jedoch Risiken wie Abhängigkeit, Gewöhnung an einseitige Kommunikation und die Reduktion zwischenmenschlicher Kontakte.
KI-Chatbots: Ersatz oder Ergänzung in der mentalen Gesundheit von jungen Menschen?
Prof. Dr. Katrin Döveling, Medienpsychologin an der Hochschule Darmstadt, vertieft im zweiten Schwerpunktbeitrag die Frage, wie Jugendliche KI-basierte Chatbots in Phasen psychischer Belastung nutzen. Erste Studien weisen darauf hin, dass speziell entwickelte Chatbots jungen Menschen kurzfristig helfen können. Eine therapiegestützte Begleitung können sie jedoch nicht ersetzen.
Kinder und Jugendliche im Gespräch mit KI – Einordnung und Empfehlungen aus der medienpädagogischen Praxis
Im zweiten Schwerpunktbeitrag betrachtet der Kommunikationswissenschaftler Fabian Sauer (mecodia Medienkompetenz) die KI-Nutzung aus der Perspektive des Kinder- und Jugendmedienschutzes und formuliert konkrete Empfehlungen für die Medienerziehung und -bildung. Für eine sichere Nutzung müssen drei Ebenen zusammenspielen: informierte Kinder und Jugendliche, begleitende Eltern und Fachkräfte sowie verlässliche Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass in Krisen echte Menschen erreichbar bleiben.
Zwischen Chat und Beziehung: krisenchat als niederschwelliges psychosoziales Unterstützungsangebot im digitalen Raum
In der Rubrik „Wissenswert“ stellt Juliane Pougin von krisenchat die wichtige Arbeit einer Beratungsstelle vor und stellt Bezüge zum Ausgabenthema vor. krisenchat ist ein bundesweit verfügbares digitales Kriseninterventionsangebot für junge Menschen bis 25 Jahre. Über einen Chat können junge Menschen rund um die Uhr niederschwellig, kostenlos und vertraulich psychosoziale Beratung in Anspruch nehmen.
Jahresstatistik der Prüfstelle für jugendgefährdende Medien 2025
Traditionell enthält die erste Ausgabe des Jahres die Jahresstatistik der Prüfstelle: 2025 wurden insgesamt 1.138 Verfahren durchgeführt, mit Schwerpunkten bei kinder- und jugendpornografischen Inhalten sowie nationalsozialistischem Gedankengut. Die Zahlen verdeutlichen sowohl die thematische Bandbreite als auch die gesellschaftliche Relevanz der Prüfstellentätigkeit und liefern wichtige Hinweise für Prävention, Aufklärung und die laufende Arbeit der BzKJ im Kinder- und Jugendmedienschutz.
Aktuelles aus der Spruchpraxis
Die Prüfstelle für jugendgefährdende Medien hat im Dezember 2025 ein Internetangebot mit kostenfreien KI-Text-zu-Bild-Generatoren und KI-Chatbots in den nicht-öffentlichen Teil der Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen. Über das Medium konnten kinder- und jugendpornografische Inhalte erstellt und geteilt werden. Besonders kritisch bewertet wurde die Möglichkeit, Chatbots auf Grundlage der erzeugten Bilder zu manipulieren und sexuelle Handlungen an virtuellen Minderjährigen zu simulieren. Die Prüfstelle sieht in diesem niedrigschwelligen Zugang ein erhebliches Risiko für Desensibilisierung und Normalisierung sexualisierter Gewalt bei Kindern und Jugendlichen.
Aus der ZUKUNFTSWERKSTATT
Die Rubrik „ZUKUNFTSWERKSTATT“ informiert über aktuelle Aktivitäten und Entwicklungen der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz zur Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes. In den drei kontinuierlichen Themenstrecken „Sexuelle Gewalt und Belästigung im digitalen Raum“, „Gefährdung der Demokratiefähigkeit“ und „Kontrollverlust in digitalen Umgebungen“ stand 2025 insbesondere der fachliche Austausch zu aktuellen Risiken und neuen technologischen Entwicklungen im Fokus, wobei Künstliche Intelligenz als streckenübergreifendes Thema an Bedeutung gewann. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden 2026 aufgegriffen und in den bestehenden Formaten weiter vertieft.
Die redaktionellen Beiträge der BzKJAKTUELL 1/2026 finden Sie im Servicebereich auf der Website der BzKJ.
Privatpersonen können Einzelhefte sowie ein Jahresabonnement der BzKJAKTUELL als Print- und / oder als Digitalausgabe erwerben. Weitere Informationen zur Fachzeitschrift und zu den Bezugsmöglichkeiten stehen ebenfalls im Servicebereich auf der Website der BzKJ zur Verfügung.
Über die BzKJAKTUELL
Die Fachzeitschrift BzKJAKTUELL wird von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) herausgegeben. Sie enthält den öffentlichen Listenteil der aktuellen Indizierungen von Filmwerken, Spielen, Schriftwerken, Tonwerken und Multimediawerken. Im redaktionellen Teil bietet sie mit Fachbeiträgen aus Praxis, Wissenschaft und Politik ein offenes Diskussionsforum für das breite Spektrum kinder- und jugendmedienschutzrelevanter Themen, Entwicklungen und Haltungen.