Sexualisierte Grenzüberschreitungen gehören für viele junge Menschen zum Alltag – für Betroffene ist der Leidensdruck groß. In sozialen Netzwerken, Messengern und Gaming-Umgebungen zeigt sich digitale Peer-Gewalt auf unterschiedliche Weise, etwa durch unerwünschtes Zusenden von Sexting-Inhalten, das Weiterverbreiten intimer Inhalte oder gezielter Bloßstellung.
Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus dem Kinder- und Jugendmedienschutz widmete sich die ZUKUNFTSWERKSTATT der BzKJ dem Thema in einem digitalen Austauschformat mit 170 Teilnehmenden.
„Was für viele Jugendliche Teil der Lebensrealität ist, wird häufig tabuisiert: digitale sexualisierte Peer-Gewalt. Gerade deshalb braucht es Räume wie die ZUKUNFTSWERKSTATT der BzKJ. Hier wird Wissen gebündelt, werden Perspektiven sichtbar gemacht und junge Menschen aktiv beteiligt. Deutlich wurde: Prävention darf sich nicht nur auf Warnungen beschränken. Vielmehr müssen junge Menschen darin bestärkt werden, Beziehungen selbstbestimmt zu gestalten und sich für positives Verhalten und gegen Grenzüberschreitungen einzusetzen, ohne sich dabei selbst zu gefährden“,
so Sebastian Gutknecht, Direktor der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ).
Die ZUKUNFTSWERKSTATT thematisierte aktuelle Entwicklungen, Risiken und Begegnungsstrategien aus interdisziplinärer Perspektive. Dies umfasste auch, dass Präventions- und Interventionsansätze vorgestellt wurden, die sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene in den Blick nehmen. Im Fokus standen Geschlechterrollen und sexuelle Bildung sowie der Umgang mit Beobachtenden und Ausübenden digitaler Gewalt. Die große Bedeutung von Peer-Gewalt im digitalen Raum wurde sehr deutlich. Die Vortragenden gingen beispielsweise auf die Vielzahl schwierig einzuordnender Grenzfälle im Spannungsfeld zwischen sexueller Selbstbestimmung, jugendlichem Ausprobieren und sexualisierter Gewalt ein.
Es kamen auch junge Vertreterinnen und Vertreter des klicksafe Youth Panels, von JUUUPORT und von der „Nummer gegen Kummer“ selbst zu Wort. Sie berichteten aus ihrer Beratungsarbeit beziehungsweise aus ihrem Engagement aus Jugendbeiräten und formulierten klare Erwartungen an Anbieter: Diese müssten ihrer Verantwortung stärker gerecht werden und Meldewege besser und niedrigschwelliger sowie mit einem verlässlichen Rückmeldesystem gestalten. Darüber hinaus sollten Anbieter Informationen rund um digitale Gewalt sowie Verweise auf Rat- und Hilfestellen bereitstellen. Dies müsse auch Beratungsangebote für Jugendliche, die selber Grenzüberschreitungen begehen, beinhalten.
Über die BzKJ
Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) setzt sich dafür ein, Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen. Dabei handelt sie im Auftrag des Jugendschutzgesetzes (JuSchG). Zu ihren Aufgaben gehören die Indizierung von jugendgefährdenden Medien, die kontinuierliche Förderung der Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes sowie die Vernetzung aller im Kinder- und Jugendmedienschutz wichtigen Akteurinnen und Akteure. Zudem bietet sie Eltern, Fachkräften, Kindern und Jugendlichen Orientierung für eine möglichst sichere Mediennutzung. Die bei der BzKJ eingerichtete und unabhängige „Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten“ (KidD) überwacht die Einhaltung struktureller Vorsorgemaßnahmen (z. B. sichere Voreinstellungen, Melde- und Abhilfeverfahren etc.) von Online-Plattformen mit Sitz in Deutschland nach dem europäischen Digital Services Act (DSA).