BzKJAKTUELL 2/2026

Zwischen Information, Einfluss und Empowerment: Politische Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Medien

Über Jahre galt Politikverdrossenheit junger Menschen als Warnsignal für die Demokratie. Tatsächlich interessierte sich Anfang der 2000er nicht einmal ein Drittel der 12- bis 25-Jährigen für Politik – heute ist es rund die Hälfte. Gleichzeitig hat sich das Umfeld politischer Meinungsbildung grundlegend verändert. Sie findet zunehmend in sozialen Medien statt, wo Algorithmen Sichtbarkeit steuern und politische Inhalte oft mit Unterhaltung vermischt und durch Influencerinnen und Influencer vermittelt werden. Das eröffnet neue Teilhabemöglichkeiten, birgt aber auch Risiken für die Einordnung von Informationen.

„Soziale Medien sind für junge Menschen heute ein selbstverständlicher Bestandteil politischer Information und Kommunikation. Umso wichtiger ist es, ihre Chancen für demokratische Teilhabe zu stärken und zugleich Risiken wie Desinformation, Manipulation und demokratiefeindliche Einflussnahme wirksam zu adressieren“, 

so Sebastian Gutknecht, Direktor der Bundeszentrale für Kinder und Jugendmedienschutz (BzKJ).

Politische Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerke

Melanie Weiser, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Politische Kommunikation am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, und Hannah Fecher vom Progressiven Zentrum, legen im Beitrag „Politische Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen in sozialen Netzwerken“ den Fokus auf die Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Die Autorinnen zeigen auf Basis der Studie, wie junge Menschen politische Inhalte wahrnehmen und für ihre Meinungsbildung nutzen. Soziale Medien seien für viele zentrale Orte politischer Information. Gleichzeitig seien sich viele Jugendliche der Risiken digitaler Informationsräume bewusst, etwa durch Verzerrungseffekte und Filterblasen.

Plattformdesign und politische Meinungsbildung von Jugendlichen

Der Beitrag „Plattformdesign und politische Meinungsbildung von Jugendlichen – offenkundige Zusammenhänge und offene Fragen“ vertieft die strukturelle Dimension. Dr. Niels Brüggen vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis untersucht, wie Plattformdesign und algorithmische Feeds die politische Meinungsbildung beeinflussen, welche Inhalte sichtbar werden und wie sich dadurch Perspektiven verengen oder verstärken können. Zudem geht es um die Rolle von Regulierung und Medienkompetenzförderung.

Meinung, Mobilisierung, Manipulation?

Die Einblicke in die Rolle politischer Influencerinnen und Influencer im Meinungsbildungsprozess junger Menschen gibt Kira Thiel vom Leibniz Institute for Media Research im Beitrag „Meinung, Mobilisierung, Manipulation? Zur Rolle politischer Influencerinnen und Influencer im Meinungsbildungsprozess junger Menschen“. Im Mittelpunkt steht die Rolle politischer Influencerinnen und Influencer sowie die Frage, wie politische Inhalte – oft eingebettet in unterhaltende oder persönliche Formate – wahrgenommen und eingeordnet werden und welche Bedeutung dabei Authentizität und Glaubwürdigkeit haben.

Nachgefragt: Wie nehmt ihr politische Inhalte in Social Media wahr?

In diesem Beitrag kommen die jugendlichen Beiratsmitglieder der BzKJ Yunus und Zeno im Interview zu Wort. Sie schätzen die Themen- und Perspektivenvielfalt und die verständliche Aufbereitung im digitalen Raum. Soziale Medien dienten ihnen häufig als Einstieg in ein Thema, das anschließend durch klassische Medien, Unterricht oder eigene Recherche vertieft werde. Medienkompetenz und Quellenkritik halten beide für unverzichtbar.

Spruchpraxis 

Die Rubrik Spruchpraxis gibt Einblicke in aktuelle Entscheidungen der Prüfstelle für jugendgefährdende Medien. Thematisiert werden unter anderem jugendschutzrechtliche Fragen im Umgang mit NS-Originalreden und der NS-Vergangenheit sowie die Indizierung eines Telegram-Angebots mit Gewaltdarstellungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Aus der ZUKUNFTSWERKSTATT

Die Rubrik ZUKUNFTSWERKSTATT beschäftigt sich mit dem Thema dieser Ausgabe als Teil der Strecke „Gefährdung der Demokratiefähigkeit“ und gibt Einblicke in den „Maschinenraum“ der BzKJ. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen digitaler Informations- und Kommunikationsräume auf demokratische Teilhabe und Meinungsbildungsprozesse junger Menschen.

DEBATE – Demokratische Debattenkultur im digitalen Raum

In der Rubrik Wissenswert stellt das Team von Arbeit und Leben Thüringen e. V. das Projekt „DEBATE – Demokratische Debattenkultur im digitalen Raum“ vor. Das im Rahmen von „Demokratie leben!“ geförderte Projekt verbindet aufsuchende politische Bildung mit Moderationspraxis. Ziel ist es, digitale Diskussionsräume gemeinsam mit jungen Menschen zu gestalten und zu reflektieren.

Die redaktionellen Beiträge der BzKJAKTUELL 2/2026 finden Sie im Servicebereich auf der Website der BzKJ. 

Privatpersonen können Einzelhefte sowie ein Jahresabonnement der BzKJAKTUELL als Print- und / oder als Digitalausgabe erwerben. Weitere Informationen zur Fachzeitschrift und zu den Bezugsmöglichkeiten stehen ebenfalls im Servicebereich auf der Website der BzKJ zur Verfügung.

Über die BzKJAKTUELL

Die Fachzeitschrift BzKJAKTUELL wird von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) herausgegeben. Sie enthält den öffentlichen Listenteil der aktuellen Indizierungen von Filmwerken, Spielen, Schriftwerken, Tonwerken und Multimediawerken. Im redaktionellen Teil bietet sie mit Fachbeiträgen aus Praxis, Wissenschaft und Politik ein offenes Diskussionsforum für das breite Spektrum kinder- und jugendmedienschutzrelevanter Themen, Entwicklungen und Haltungen.